Vom amerikanischen Häuslbau-Kredit zur Systemkrise

Ein Finanzintermediär nach dem anderen kommt ins Straucheln. Großbritannien ver(teil)staatlicht Banken. Alle drei isländischen Banken wurden verstaatlicht. Die Wiener Börse setzte vergangene Woche erstmals in ihrer Geschichte den Handel aus. Die Finanzkrise, die sich aus einer Hypothekenkrise in den US-Subprime-Markets entwickelte scheint sich nun zu einer Systemkrise auszuweiten.

Rückblick

Seit dem Jahr 2000 kauften AmerikanerInnen mit niedriger Bonität Eigenheime, die durch zinsgünstige aber auch zinsflexible Darlehen finanziert werden – üblicherweise ganz ohne Eigenkapital. Der Kreislauf geht weiter: in den Boom-Regionen steigt der Wert der Immobilien stark. Über diesen gesteigerten Wert nehmen sich ImmobilienbesitzerInnen weitere Kredite auf. Alles kein Problem, solange der Immobilien-Wert weiter steigt. Auf diese Art vervielfachte der sogenannte Subprime-Market (ein früher recht kleiner Bereich in der Immobilienfinanzierung) sein Volumen in den letzten Jahren. (hier wird dann immer so schön von Blasen gesprochen…)

Immer mehr US-Hypothekenfinanzierer fahren mit den Subprime-Krediten hohe Zinserträge ein. Zinserträge, von denen europäische Banken (wegen des margenschwachen und hart umkämpften Inlandsmarktes) nur träumen können. Darum kaufen sie – meist indirekt über ihre Töchter oder Fondsgesellschaften – die Pfandbriefe dieses Sektors von Investmentbanken. (vereinfachte Erklärung…)

Dann beginnt die sogennante Subprime-Krise: Durch Zahlungsausfälle bei den Hypothekenkrediten verlieren Finanzpapiere, die von Bankkonzernen unter Einbeziehung solcher Darlehen emittiert und gehandelt werden, schlagartig an Wert. Erste Finanzintermediäre (Unternehmen der Finanzbranche) werden Opfer der Krise.

Short Sellings“ – also Leerverkäufe von Aktien – haben eine Verstärkerrolle bei den Kursabstürzen der Weltbörsen. Nicht umsonst verbieten viele internationale Börsen nun Leerverkäufe einiger Papiere. Mit Hedgefonds, Derivaten,… ließen sich viele weitere Entwicklungen skizzieren. Letztendlich sehen wir, dass sogar die USA und Großbritannien Banken verstaatlichen – Länder in denen die Einmischung des Staates immer zurückgedrängt wurde. Die Systemkrise lässt sich nicht länger leugnen. Jahrelang wurden Gewinne privatisiert, jetzt, da Banken sich gegenseitig kein Geld mehr leihen, Blasen platzen und das Vertrauen der Banker untereinander schwindend ist, muss der Staat einspringen – Verluste werden sozialisiert. Dr. Friedrich Thelen meinte in der Wirtschaftswoche: „…wenn, wie in Großbritannien geschehen, der Staat Banken übernimmt und dafür zusätzliches Geld in die Institute pumpt, gewinnt er Einfluss. Und bei diesen Banken, wo er Einfluss hat, kann er notfalls per ordre de mufti den Interbank-Trade wieder in Gang setzen. Vielleicht hilft das ja – aber Marktwirtschaft hatten wir uns eigentlich doch ganz anders vorgestellt.“ Und allen Rettungsversuchen zu Trotz fallen die Kurse der internationalen Börsen weiter. Ja, das hatten wir uns eigentlich doch ganz anders vorgestellt!

Das Ende des Turbo-Kapitalismus?

Länder wie die USA oder Großbritannien verstaatlichen Banken – ein no-go der neoliberalen Wirtschaftspolitik der letzten Jahre. Das System kracht also an allen Ecken und Enden. Milliarden werden jetzt in die Finanzmärkte gesteckt, um den sogenannten Interbankenverkehr wieder zu beleben. Selbst jene, die sich bis jetzt immer auf die „unsichtbare Hand“, also die Selbstregulierung der Märkte, verlassen haben rufen nun nach der helfenden Hand des Staates. Dabei darf nicht vergessen werden, dass mit den großen Mengen an Geld, das nun zur Verfügung gestellt wird genau jene AkteurInnen gerettet werden, die zentral für die Finanzkrise verantwortlich sind. Klar, öffentliche Eingriffe sind bei Finanzkrisen unumgänglich und unumstritten – Verhinderung von Dominoeffekten, Auswirkungen auf die Realwirtschaft. Doch dieser Missstand muss behoben werden, wie Christian Schoder (Attac) es treffend formuliert: „Es darf nicht sein, dass Spekulanten vor einer Win-Win-Situation stehen: In Boom-Phasen fließen die Gewinne in ihre privaten Taschen, in Krisenzeiten werden die Verluste von der Allgemeinheit getragen.“ Also die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten – dieses System dürfen wir nicht weiter stützen!

Daher ist auch eine Grundsatzdiskussion über Sinn und Unsinn der Art und Weise, wie Finanzmärkte derzeit funktionieren, dringend notwendig

Eine Antwort schreiben