2008 – eine Jahreszahl, die wohl in vielen kommenden (geschichtlichen, wirtschaftswissenschaftlichen, journalistischen) Büchern und Beiträgen eine gewisse Rolle spielen wird: Obama ist Präsident – Österreich hat neu gewählt („yes we can“ vs. „es reicht“ – diese Gegenüberstellung alleine sagt viel aus…), Mega-Sportereignisse, bis hin zur Subprime-Krise, die zur Finanzkrise wurde und nun Wirtschafts-, Auto-, Kapitalismus-… Krise ist. (Einen wirklich treffenden Rückblick dazu gibt’s bei Robert Misik) Einiges wird uns davon auch in nächster Zeit bleiben, anderes hat 2008 wohl letzte Lebenszeichen von sich gegeben:
Der Turbokapitalismus: Wenn selbst in neoliberalen „Musterstaaten“ wie den USA und Großbritannien Verstaatlichungen an der Tagesordnung stehen, kann wohl niemand mehr davon absehen, dass mit 2008 ein Paradigmenwechsel in der Ökonomie und unserem Wirtschaftssystem stattfand – oft genannter Stichtag: der 15. September 2008, der Tag an dem Lehman-Brothers kollabierte und so die Krise auch endgültig nach Europa überschwappte.
Sarah Palin: Die Vize-Kandidatin der Republikaner, ein echter Maverick, machte nicht nur durch ihre außernpolitische Kompetenz (von Alaska aus könne sie russland sehen) auf sich aufmerksam. Der Satz „Der Vizepräsident ist nur einen Herzschlag vom Oval Office entfernt“ bekam – in anbetracht des Gesundheitszustands von John McCain – eine bedrohliche Weikung. Am Ende siegte am 4. November das aufgeklärte Amerika. Was bleibt: Palin-Double tina Fey steht eine große Karriere bevor, und auch Palin selbst geht unter die SchauspielerInnen – sie erhält angeblich eine Gastrolle in „Desperate Housewives“. Passend?!?
Jörg Haider: zum Tod Jörg Haiders habe ich an dieser Stelle nie geschrieben. In Erinnerung blieb mir der Besuch der Grünen Andersrum im Lokal „Der Stadtkrämer“ kurz nach dem Unfall. Rückblickend ein Zitat aus Robert Misiks Jahresrückblick: „Bis zuletzt konnte einen Jörg Haider mit seiner Fähigkeit zur Unmenschlichkeit immer wieder überraschen. Dennoch habe auch ich die Nachricht über seinen Tod mit Betroffenheit und Fassungslosigkeit aufgenommen. Und das ist schon recht so: Man kann auch Mitgefühl mit jenen haben, die zu Mitgefühl nicht fähig sind. Hätte man es nicht – sie hätten gewonnen, man wäre ihnen ähnlich geworden!“
Dabbeljuh: Ja, auch wenn George W. Bush noch amtierender US-Präsident ist, ist doch 2008 das Jahr, das seine Präsidentschaft beendet. Was bleibt sind seine Weisheiten – Bsp: „Die große Mehrzahl unserer Importe kommt von außerhalb des Landes“ – Schuhe dürfen weiterhin geworfen werden!
weitere Ergänzungen bitte als Postings!
Auf geht’s also in ein Jahr, das einiges mit sich bringen wird: Die Auswirkungen der Krise und wie wir damit umgehen, Wahlen zum EU-Parlament, das erste Semester ohne Studiengebühren (zumindest für einen Teil der Studierenden) und – nicht zuletzt: ein neues Album von Regina Spektor!
Zuvor darf aber noch ordentlich Silvester gefeiert werden: doch Vorsicht, heuer wird der Countdown anders gezählt – „5, 4, 3, 2, 1, 1 – Happy New Year!“. 2008 ist nämlich durch eine eingeschobene Schaltsekunde etwas länger
Allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein schönes neues Jahr und ich hoffe, wir lesen uns nächstes Jahr wieder!
Und eine kleine Statistik zum Schluss: Die TOP-3-Beiträge auf diesem Blog waren 2008 folgende:
Die Fed senkt den Leitzins in einem historischen Schritt auf bis zu null Prozent. Asiens Börsen sprangen kurz nach oben – um sogleich wieder Gewinne abzugeben (diezeit.de)
Die US-amerikanische Notenbank pumpt also nach und nach Geld in eine immer schwächer werdende Wirtschaft, denn die USA drohen, immer weiter in die Rezession zu fallen: Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres gibt es heute 2 Millionen mehr Arbeitslose; die Arbeitslosenquote in den USA steigt auf ein Niveau, das an andere Krisen erinnert – die Ölkrisen 1973 und 1979 und nicht zuletzt die Weltwirtschaftskrise 1929. Momentan liegt die Quote in den USA bei 6,7%, der starke Anstieg in den letzten Monaten dürfte wohl heißen, dass sie noch weiter steigen wird. (Daten und Graphik: Bureau of Labor Statistics, bls.gov bzw. OECD)
Niemand geht jetzt noch davon aus, dass wir es hier mit einer reinen Finanzkrise zu tun haben; nein die Krise hat – wie es so schön heißt – die Realwirtschaft erreicht. In den letzten Jahren beschränkte sich makroökonomische Politik in den USA auf eines: Geldpolitik im Sinne von Zinssatzänderungen. Wenns mal nicht so gut geht pumpt man einfach Geld auf die Märkte. Genau das macht die Fed jetzt wieder, wohl ein letztes Mal (außer sie legen noch negative Zinssätze fest…).
Die Logik hat jedoch einen Haken: Niemand weiß, wo das Geld hinfließt. In den letzten Jahren floss es dorthin, wo schnell viel Gewinn erzielt werden konte, in kapitalintensive Märkte wie den Finanzmarkt (Billige Kredite ohne Eigentkapital führten ja zur Subprime-Krise).
Und heute? Niemand kann sagen wie und in welchem Ausmaß Banken die Leitzinssenkungen weitergeben, ob dadurch der sogenannte Interbanken-Verkehr wieder belebt werden kann. Was nach den Entwicklungen der letzten Jahre offensichtlicher denn je ist: reine Geldpolitik (wirtschaftspolitische Maßnahmen der Zentralbanken) ohne fiskalpolitische Maßnahmen (wirtschafspolitische Maßnahmen des Staats) haben zu dem geführt, was nun vor uns liegt – eine Krise.
Um wieder auf die USA: zurückzukommen: Nun ist Neo-Präsident Obama gefragt, Maßnahmen zu setzen: fiskalpolitische, antizyklische Maßnahmen. Und welcome back Mister Keynes!
Und bei all den Feuerwehreinsätzen vergessen wir doch eines nicht: Wir befinden uns in einem Paradigmenwechsel. Es darf nicht sein, dass die „Brandstifter“ – IWF (Währungsfonds), Weltbank und WTO (Welthandelsorganisationen) – gestärkt aus dieser Krise hervorgehen. Denn mit diesen demokratisch nicht legitimierten Institutionen sind die nächsten Krisen schon vorprogrammiert. Was es braucht ist eine Weltwirtschaftsordnung, deren Kern und Ziel die Beseitigung von wirtschaftlichen und sozialen Ungerechtigkeiten und nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung ist.
Ein Finanzintermediär nach dem anderen kommt ins Straucheln. Großbritannien ver(teil)staatlicht Banken. Alle drei isländischen Banken wurden verstaatlicht. Die Wiener Börse setzte vergangene Woche erstmals in ihrer Geschichte den Handel aus. Die Finanzkrise, die sich aus einer Hypothekenkrise in den US-Subprime-Markets entwickelte scheint sich nun zu einer Systemkrise auszuweiten.